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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ziege übernimmt schweres Amt in Bielefeld


Zombie
26. May 2010, 17:00
Christian Ziege ist als Cheftrainer Hoffnungsträger und neuer starker Mann beim Krisen-Club Arminia Bielefeld. Der 38-Jährige übernimmt die schwere Aufgabe, die Profis des finanzschwachen Fußball-Zweitligisten wieder erstklassig zu machen.

Er bekommt bei den Ostwestfalen einen Zweijahresvertrag. "Die aktuelle Vereinssituation macht die sportliche Planung nicht einfach, bedeutet für mich aber eine große Herausforderung und Verantwortung", meinte Ziege, der für Bayern München und Borussia Mönchengladbach 198 Mal in der Bundesliga aktiv war.

"In Christian Ziege haben wir einen jungen, innovativen Trainer gefunden, der neben einer sehr guten Ausbildung über ein internationales Beziehungsgeflecht im Profifußball verfügt", sagte Arminias Aufsichtsratschef Norbert Leopoldseder. Ziege, der unter anderem auch für den AC Mailand, den FC Liverpool und die Tottenham Hotspurs spielte, erhält zudem weitere Leitungsaufgaben.

Neuer kaufmännischer Geschäftsführer der um die Lizenz kämpfenden Bielefelder wird der 45-jährige Ralf Schnitzmeier. Er übernimmt den Posten von Heinz Anders, der am 5. Mai zurückgetreten war. Der designierte Bielefelder Club-Präsident Wolfgang Brinkmann sprach von "absoluten Fachleuten", die der Verein gewinnen konnte.

Der 72-malige Nationalspieler Ziege tritt das Erbe seiner Vorgänger Thomas Gerstner, Detlev Dammeier und Frank Eulberg an, die in der vergangenen Saison vergebens ihr Trainer-Glück bei den Ostwestfalen suchten: Als Tabellen-Siebte scheiterten die Arminia-Profis klar am Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs.

Ziege, der im April sein Trainerdiplom bekam, ist sich der heiklen Mission bewusst. Dennoch ist er zuversichtlich: "Es muss für alle wieder richtig Spaß machen, in die Schüco-Arena zu kommen - außer für die Gegner." Er muss auf mehreren Baustellen tätig werden. Angesichts einer Deckungslücke von 10,2 Millionen Euro ist fraglich, ob er ein Team zusammenstellen darf, das um den Aufstieg mitspielen kann.

Immerhin bringt der Europameister von 1996 Erstliga-Erfahrung mit: Er war Co- und Interimstrainer sowie Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Schnitzmeier hat ebenfalls Erstliga-Praxis: Er hatte erst 2008 seine Geschäftsführertätigkeit bei Hannover 96 beendet.

Das Wagnis ist groß für Ziege. Denn die finanziell überaus klammen Ostwestfalen bangen um die Spielberechtigung für die neue Saison. An diesem Freitag entscheidet der Bielefelder Stadtrat, ob die Arminia einen Kredit von 4,85 Millionen Euro gewährt bekommt. Wenn nicht, steht sogar die Insolvenz im Raum.

Die SPD-Ratsfraktion sprach sich mehrheitlich für diese Finanzspritze aus, die als Voraussetzung für den Lizenz-Erhalt gilt. Das Geld muss spätestens bis 2. Juni nachweisbar sein. Andernfalls droht die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit der Lizenz-Verweigerung.

Die Rettungsaktionen pro Arminia sind unterdessen in vollem Gang. Bis zum Amtsantritt von Ziege und Schnitzmeier unterzeichneten mehr als 11 000 Menschen einen Appell, die Unterschriften wurden an Bielefelds Bürgermeister Detlef Helling überreicht. Mit dieser Maßnahme sollte verdeutlicht werden, dass es nicht nur um den Profifußball geht. "Über 700 aktive Sportler aus allen Abteilungen und Disziplinen und 200 Mitarbeiter fürchten um ihre sportliche und berufliche Zukunft", teilte die Arminia mit.

Micha
29. May 2010, 12:17
Stadtrat will nur Kredit über 500.000 Euro gewähren

Arminia vor dem Aus

Für Arminia Bielefeld sieht es schlecht aus: Der Stadtrat will dem Fußball-Verein nur einen Kredit über ein halbe Million anbieten. Damit ist aber die Finanzlücke des Zweitligisten nicht zu decken. Die Lizenz für die nächste Saison ist wohl verloren.
Bielefelder Fans; Rechte: ddpBild vergrößern

Fans wissen: Die Hoffnung stirbt zuletzt

"Mit Symbol-Politik kann man Arminia nicht retten", kommentierte Wolfgang Brinkmann, designierter Club-Präsident des Zweiliga-Vereins, die Entscheidung des Bielefelder Stadtrates. Nach über drei Stunden hatten die Abgeordneten am Freitag (28.05.10) beschlossen, der Arminia lediglich mit einem Kredit über 500.000 Euro unter die Arme zu greifen. Ein entsprechender Änderungsantrag von CDU, Grünen und FDP fand nach langer und hitziger Diskussion eine Mehrheit. Zuvor war die SPD-Ratsfraktion mit Oberbürgermeister Pit Clausen mit einem bereits reduzierten Antrag gescheitert, dem Verein mit einem Darlehen über 1,85 Millionen Euro aus der Klemme zu helfen.

Unterm Strich muss der Verein nun rund 2,5 Millionen Euro zusätzlich auftreiben. "Wir werden sehen, ob wir noch zahlungsfähig sind", sagte Brinkmann. "Ich bin nicht zuversichtlich, dass wir eine Lizenz bekommen." Er werde aber alles versuchen, um noch eine Lösung zu finden.
Über zehn Millionen Euro fehlen

Die Arminia muss der Deutschen Fußball Liga (DFL) bis zum 2. Juni einen Finanzplan vorlegen. Die Finanzlücke beträgt derzeit rund 10,2 Millionen Euro. Am bisher vorgesehenen Rettungspaket will sich die Wirtschaft mit drei Millionen Euro beteiligen, der Verein will gut zwei Millionen Euro selbst aufbringen. Der Plan sieht weiter vor, dass die Sparkasse und das Land NRW ein Jahr lang auf die Bedienung schon laufender Kredite in Höhe von 12,3 Millionen Euro verzichten. Diese Kredite sind zu 80 Prozent durch eine Landesbürgschaft abgesichert. Dies soll die Finanzen um rund zwei Millionen Euro entlasten.
"Schaden bei Insolvenz noch größer"

Bereits am Donnerstagabend (27.05.10) hatte der Hauptausschuss ein Darlehen der Stadt über 4,85 Millionen Euro mehrheitlich abgelehnt. Mit der Reduzierung auf zunächst 2,85 Millionen Euro und später sogar 1,85 Millionen Euro wollte Clausen die Abgeordneten am Freitag doch noch überzeugen. Ein solcher Kredit würde die Stadt relativ wenig kosten. Wenn die Arminia allerdings in die Insolvenz falle, wäre der Schaden für die öffentliche Hand deutlich höher, warnte Clausen: "16 Millionen Euro gehen dann durch den Schornstein." Dies seien die Sparkassenkredite von 12,3 Millionen und die von der Stadt gestundeten Gewerbesteuern und Gebühren von 3,6 Millionen Euro. Die Unterhaltung des ungenutzten Stadions würde zudem mit rund 700.000 Euro jährlich zu Buche schlagen.
Hauptausschuss lehnte ab
DSC-Aufsichtsratschef Norbert Leopoldseder, Trainer Christian Ziege, Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier und der designierte Präsident Wolfgang Brinkmann. Rechte: dpaBild vergrößern

Neu-Trainer Ziege - bald ohne Verein?

Die anderen Ratsfraktionen verwiesen auf die rund 700 Millionen Euro Schulden der Stadt. Jährlich kämen etwas 150 Millionen Euro dazu. Zudem fehle das Vertrauen, dass der Verein nach jahrelanger Misswirtschaft nun plötzlich nachhaltig arbeiten werde. Der Antrag auf 1,85 Millionen Euro wurde mit 41 gegen 19 Stimmen abgeschmettert. Nur der Kredit über 500.000 Euro kam durch, begleitet von lauten Buhrufen der rund 100 enttäuschten Arminia-Anhänger auf den Zuschauerplätzen im Saal.

Erst am Mittwoch (26.05.10) hatten sich der neue Trainer Christian Ziege sowie der neue kaufmännische Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier auf einer Pressekonferenz zuversichtlich zur Zukunft des ehemaligen Erstligisten geäußert.